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Luchsnachweise

Spuren lesen lernen

Die Sichtung eines freilebenden Luchses ist ein sehr seltenes Ereignis. Spuren seiner Anwesenheit lassen sich schon eher entdecken. Trittsiegel im Schlamm oder Schnee, Kot oder Risse seiner Beutetiere können wichtige Informationen über die Ausbreitung und Lebensweise der Tiere liefern. Deshalb sollten Sie auch solche Hinweise auf den Luchs melden.

Die Meldung von Luchsnachweisen durch zufällige Beobachter

Forstbeamte, Jäger, Wanderer u. a. melden die Hinweise an die Nationalparkverwaltung Harz. Wenn möglich und sinnvoll, erfolgt eine Verifizierung dieser Hinweise durch Nationalpark-Mitarbeiter oder andere kompetente Ansprechpartner, wie die Luchsbeauftragten der regionalen Jägerschaften in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt.

 

Sichtungen

Meistens sind es Sichtungen, die den ersten Hinweis auf die Anwesenheit von Luchsen liefern. Durch einen Fotobeleg kann die Beobachtung des Tieres zu einem sicheren Luchsnachweis werden.

 

Luchs-Risse

Aus der Entfernung betrachtet weist ein vom Luchs getötetes Huftier oftmals kaum äußere Verletzungen auf. Erst bei näherem Hinsehen fallen manchmal Kratzspuren in der Oberhaut des Tieres auf. Die wenigen kleinen Einbisslöcher im Halsbereich sind eindeutige Hinweise auf den Luchs. Der Abstand der Eckzähne beträgt etwa 3,2 cm.

Luchse kehren mehrmals zu ihrer Beute zurück. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten verbringen die Tiere oft ruhend in der weiteren Umgebung des Kadavers. Häufig decken Luchse nach einer Mahlzeit das Beutetier mit Laub, Gras oder z.B. Schnee ab.

Niemals entfernt der Luchs einzelne Teile eines Kadavers vom Rissort (auch nicht den Kopf). Das Fehlen von Körperteilen ist immer ein Hinweis auf die Beteiligung von Aasfressern wie z.B. den Fuchs an der Mahlzeit.

Der Luchs ist in der Lage, einen kompletten Rehkadaver über mehrere hundert Meter hinweg – notfalls auch steil bergauf – zu ziehen. Auch Füchse können ein erbeutetes oder bereits tot aufgefundenes Reh in der Ebene oder bergab etliche Meter weit ziehen. Allerdings erfolgt dies meist in kurzen Etappen und ohne erkennbares Ziel. Luchse versuchen dagegen mit einem Kadaver auf kurzem Weg die nächste Deckung zu erreichen.

Luchse fressen zuerst an den fleischreichen Partien, insbesondere an den Keulen. Niemals wird der Verdauungstrakt eines Beutetieres gefressen. Zusammen mit den größeren Knochen und dem Fell ist er meist einziges Überbleibsel nach der Verzehr eines Kadavers.

Bei der Beurteilung eines Rissfundes ist zu beachten, dass die einzelnen Merkmale durch die Anwesenheit von Aasfressern wie Füchsen oder Greifvögeln verwischt werden können.

 

 

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Die Trittsiegel

Luchse können ihre Krallen einziehen. Deshalb drücken sich diese nur selten im Trittsiegel mit ab. Luchstrittsiegel haben eine sehr runde Form. Anders als bei Hunden liegen die beiden vorderen Zehen der Katzen nicht auf gleicher Höhe.

Die Breite und auch die Länge des Abdrucks betragen 6 bis 9 cm. Die Hinterpfote ist etwas schmaler und kleiner als die Vorderpfote. Die Asymmetrie in der Anordnung der Zehenballen ist hier nicht so stark ausgeprägt.

Der Abstand zwischen zwei Abdrücken der selben Pfote (Schrittlänge) beträgt in der Regel je nach Gangart etwa 60 cm bis 90 cm. Etwa 30 cm liegen im normalen Schritt zwischen den aufeinander folgenden Abdrücken der einzelnen Pfoten.

Im normalen Gang oder Trab wird die Hinterpfote in die Spur der Vorderpfote gesetzt. Die Trittsiegel stehen fast in einer Linie. Die seitliche Schränkung ist aber größer als bei Füchsen.

 

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Luchskot

Der Kot von Luchsen besteht aus mehreren Ballen, die aneinander kleben und so insgesamt eine längliche Form ergeben. Der Durchmesser der einzelnen Ballen beträgt ca. zwei bis drei Zentimeter.

Da der Luchs ein reiner Fleischfresser ist, hat der Kot in der Regel eine sehr dunkle Farbe. Die frischen Kotballen sind von einer dünnen Schleimschicht überzogen. Sie enthalten immer einen deutlichen Anteil von Haaren der Beutetiere. Vom Luchskot geht ein markanter Raubtiergeruch aus.

Anders als auf den Fotos verscharrt der Luchs seinen Kot in der Regel. Luchskot dient nicht, wie bei Wolf oder Fuchs, der Reviermarkierung und findet sich daher selten an gut sichtbaren oder gar erhöhten Plätzen.

 

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Totfunde

Der Fund eines toten Luchses ist natürlich auch ein sicherer Nachweis. Totfunde sollten möglichst schnell einer pathologischen Untersuchung zugeführt werden, um die Todesursache zu klären.

Genetik

Nicht nur beim winterlichen Abfährten, sondern auch von zufälligen Beobachtern wird gelegentlich Material gefunden (Haare, Kot, Urin etc.), das eine genetische Analyse erlaubt. Von etlichen der bis zum Jahr 2006 ausgewilderten Luchse liegen Blutproben vor. Wann immer Luchse gefangen oder tot aufgefunden werden, werden Blut-, Gewebe- oder Haarproben entnommen. Und auch an Rissen lassen sich mittels Abstrich an der Kehle oder an Fraßstellen Speichelreste sichern, die nach erfolgreicher Analyse im Labor Auskunft über den Täter geben können.

Das Senckenberg Labor für Naturschutzgenetik in Gelnhausen fungiert auf Empfehlung der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) als nationales Referenzlabor für die Genetik großer Beutegreifer und erhält sämtliches Probenmaterial, das im Rahmen des Luchsprojektes Harz gesammelt wird, zur genetischen Analyse.

 


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