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Historischer Hintergrund

Luchsjagden im Harz

Fast 200 Jahre streiften keine Luchse mehr durch die weiten Wälder des Harzes. Die Tierart war vom Menschen ausgerottet worden.

Die vorletzte Luchsjagd im Harz

Seit 1814 hatte man am Brocken immer wieder die Fährte eines großen Beutegreifers gefunden. Einige Versuche, den vermeintlichen Wolf zur Strecke zu bringen, schlugen im ausgehenden Winter 1816 fehl. Durch eine Kugel wohl nur leicht verwundet entkam der Verfolgte im Frühjahr abermals. Die Jäger verwendeten damals an Schnüren befestigte Tücher, sog. Lappen, um zu verhindern, dass das Tier den umstellten Waldbereich verließ. Eine Jagdart, wie sie üblicherweise auf Wölfe verwendet wurde. Trotz der intensiven Nachstellung kehrte der Luchs mehrfach in der darauffolgenden Nacht wieder in das eingelappte Gebiet zurück, so dass die Jagd am Morgen aufs Neue begann. Heute wissen wir, dass Luchse ihre einmal gerissene Beute über einige Tage hinweg nutzen. Ihre Furcht vor den Lappen ist jedoch weit weniger ausgeprägt als bei Wölfen. Könnte ein vorhandener Riss der Grund für die beständige Rückkehr des Tieres gewesen sein?

Erst am 23. März 1817 gelang es schließlich erneut, den angeblichen Wolf am Renneckenberg nahe des Brockens auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks Harz einzukreisen. Gegen Abend beschoss ein Jäger, noch immer im Glauben einen Wolf vor sich zu haben, das Tier an der höchsten Stelle der Sonnenklippen. Die Nachsuche führte die Jäger dann zu dem Luchs, der sich schwer verletzt in einer Felsspalte verborgen hatte.

 

Die letzte Luchsjagd im Harz

Am 17. März 1818 erlegte der Reitende Förster Spellerberg bei Lautenthal den letzten Harzer Luchs. Dem Ereignis ging eine elftägige Jagd voraus, an der in zwei Etappen rund 100 Treiber und 80 Jäger beteiligt waren. Noch Ende Februar war der Luchs nach mehrtägiger Nachstellung und einem Fehlschuss entkommen. Gut zwei Wochen danach versammelte sich die Jagdgesellschaft erneut. Bei Lautenthal entdeckte man im Schnee die Spuren der großen Katze. Ein Treiben wurde abgestellt und schließlich der von den Treibern aufgescheuchte Luchs zur Strecke gebracht.

Erst im Jahr 1893 wurde nordwestlich von Lautenthal ein Gedenkstein errichtet, der an die Erlegung des letzten Harzer Luchses erinnert. Zunächst stand der Stein an der Stelle, die man für den Ort des damaligen Geschehens hielt. In den 1970er Jahren wurde der Stein an den nahen Forstweg verlegt. Vom Sternplatz an der L516 erreicht man den Luchsstein nach einer kurzen Wanderung in nördlicher Richtung.

Das Präparat des letzten Harzer Luchses steht noch heute im Naturhistorischen Museum in Braunschweig.

Neues Luchs-Denkmal im Nationalpark Harz zur Anerkennung der erfolgreichen Wiederansiedlung des Luchses im Harz

Die erfolgreiche Wiederansiedlung des Luchses 200 Jahre nach den letzten Luchsjagden war 2017 der Anlass, einen Konterpart zum Luchsstein zu schaffen. Am 20.10.2017 wurde das neue Luchs-Denkmal mit einem kleinen Festakt eingeweiht.

Der Goslarer Mäzen Dietrich Steinhausen stiftete dafür eine von der Harzer Künstlerin Anna Barth geschaffene Bronzeplastik. Sie steht auf einem Harzer Diabas aus dem Huneberg-Steinbruch. Der Bronzeluchs findet sich am Kaiserweg bei Torfhaus an der nunmehr „Luchsbrücke" genannten Überquerung der Abbe. Das Denkmal steht somit – wie auch der Luchsstein nahe des Sternplatzes bei Lautenthal – an einem historischen Ort.


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