Risse
Jagdverhalten und Beute
Um erfolgreich zu jagen, müssen Luchse sehr nah an ihre Beutetiere heran und greifen diese aus einem Versteck oder von erhöhten Plätzen aus an. Niemals jedoch klettert der Luchs – wie dies in historischer Literatur oft beschrieben wird – zum Zwecke der Jagd auf Bäume.
Erreicht der Luchs das Beutetier, so hält er es mit den scharfen Krallen fest und tötet durch einen gezielten Biss in die Luftröhre, bei dem wohl häufig auch die Halsschlagader abgedrückt wird. Der Tod eines Beutetieres tritt vermutlich schnell ein, da kaum nennenswerte Kampfspuren an einem Rissort nachweisbar sind.
Aus der Entfernung betrachtet weist ein vom Luchs getötetes Huftier oftmals kaum äußere Verletzungen auf. Erst bei näherem Hinsehen sind manchmal Kratzspuren in der Oberhaut des Tieres, vor allem aber die wenigen und zum Teil sehr kleinen Einbisslöcher im Halsbereich, eindeutige Hinweise auf den Luchs. Der Abstand der Eckzähne beträgt 2,7 bis 3,5 cm.
Luchse kehren mehrmals zu ihrer Beute zurück. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten verbringen die Tiere oft ruhend in der weiteren Umgebung des Kadavers. Häufig decken Luchse nach einer Mahlzeit das Beutetier mit Laub, Gras oder z.B. Schnee ab.
Niemals entfernt der Luchs einzelne Teile eines Kadavers vom Rissort (auch nicht den Kopf). Das Fehlen von Körperteilen ist immer ein Hinweis auf die Beteiligung von Aasfressern wie z.B. den Fuchs an der Mahlzeit.
Der Luchs ist in der Lage, einen kompletten Rehkadaver über mehrere hundert Meter hinweg – notfalls auch steil bergauf – zu ziehen. Auch Füchse können ein erbeutetes oder bereits tot aufgefundenes Reh in der Ebene oder bergab etliche Meter weit ziehen. Allerdings erfolgt dies meist in kurzen Etappen und ohne erkennbares Ziel. Luchse versuchen dagegen mit einem Kadaver auf kurzem Weg die nächste Deckung zu erreichen.
Luchse fressen zuerst an den fleischreichen Partien, insbesondere an den Keulen. Niemals wird der Verdauungstrakt eines Beutetieres gefressen. Zusammen mit den größeren Knochen und dem Fell ist er meist einziges Überbleibsel nach der Verzehr eines Kadavers.
Bei der Beurteilung eines Rissfundes ist zu beachten, dass die einzelnen Merkmale durch die Anwesenheit von Aasfressern wie Füchsen oder Greifvögeln verwischt werden können.